“Wem soll man noch glauben?”

Es herrscht nicht gerade Gedränge in Bögöt. Das Dorfgasthaus, das einzige im Ort, hat geschlossen, beim weitgehend verwaisten Greißler daneben kauft eine müde Frau eine Flasche Mineralwasser. Auf dem Fußballplatz neben der Kirche liegt das Heu zum Trocknen; einzig ein brauner Feldhase hoppelt vor das Tor – und schnell wieder davon. Von Zeit zu Zeit sieht man eine silberhaarige Seniorin oder einen freundlich zum Gruß nickenden runzeligen Herrn auf dem Fahrrad vorbeikurven. “Heute sind vergleichsweise viele Leute auf den Beinen”, sagt Thomas Artner. “Es gibt ein Begräbnis.”

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Artner kennt den Ort gut. Seit 15 Jahren lebt und arbeitet der geborene Niederösterreicher in dem gerade noch 200 Einwohner zählenden Örtchen östlich von Szombathely. Der kräftige 36-Jährige ist Bauer in Ungarn – doch trotz der Ruhe in Bögöt ist seine Arbeit seit zwei Jahren aufwühlend geworden. Es sind aber nicht Maulwürfe, die seine Felder bedrohen, sondern die ungarische Regierung höchstselbst. Artner ist einer von etwa 10 österreichischen Landwirten, denen der Verlust ihres grundbücherlich eingetragenen Ackerlands in Ungarn droht.

Sinnierend steht er vor den Gebäuden der ehemaligen Kolchose, die er ganz zu Beginn seiner Zeit in Ungarn mit seinem Vater erstanden hat. In den alten Ställen aus der Zeit der kommunistischen Planwirtschaft sind heute Artners Traktoren und Erntemaschinen untergebracht. Nicht weit davon entfernt dehnen sich seine Felder aus – Roggenähren wiegen sich im Wind, Rapspflänzchen recken sich Richtung Sonne. Etwa 400 Hektar Land bewirtschaftet er mit seinem Vater – “Für österreichische Verhältnisse ist das viel, für ungarische nicht”, sagt er. Seine Steuern zahlt er an den ungarischen Staat.

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